Symposium 50+ Bergsport im Alter

Am Samstag, 18. April 2026 fand im Centrum St. Mangen in St. Gallen das Symposium 50+ Bergsport im Alter statt. Mehr als 75 Berggängerinnen und Berggänger nahmen mit grossem Interesse an dieser tagesausfüllenden Veranstaltung des SAC St. Gallen teil.

Die Zahl der älteren Bergsporttreibenden wächst kontinuierlich. Einerseits kommt die Babyboomer-Generation ins Pensionsalter, andererseits führen medizinische Erkenntnisse und ein gesunder Lebensstil zu längerer Fitness – die Grundlage auch für Bergsport bis ins hohe Alter.

  • Welches sind gesundheitliche Chancen und Risiken beim Bergsport im fortgeschrittenen Alter?
  • Was ist bei der Ernährung im Alter anders und welche Konsequenzen hat das für die Ausübung des Bergsports?
  • Wo sind meine Grenzen und wie erkenne und anerkenne ich sie als Teilnehmer einer Tour oder als Tourenleiter?

Antworten zu diesen Fragen gaben uns ausgewiesene medizinische Fachpersonen in ihren Fachvorträgen. In Interviewrunden mit Tourenteilnehmenden und Tourenleitenden wurden die Kernpunkte der Vorträge nochmals lebendig vertieft. Das Publikum nutzte auch die Möglichkeit, offene Fragen durch die Referenten klären zu lassen.

Ruth Kulscar Meienberger, unsere Präsidentin und Thomas Winkler vom Projektteam begrüssten die Referenten und die zahlreichen Teilnehmenden und erklärten, wie die Idee zu diesem Symposium entstand. Ernst Walser vom Projektteam stellte dann den ersten Referenten vor.

Dr. med. Paul Imboden, Facharzt des Kantonsspital St. Gallen und Notarztkursleiter eröffnete das Symposium mit seinem umfassenden Referat zum Thema „Medizinische Informationen zum Körper ab 50 oder wie verändert sich der Körper im Alter“. Wir erfahren, dass der Alterungsprozess bereits ab einem Alter von 25 Jahren beginnt, wenn auch oft unbemerkt. Die physiologische Reserve wird mit zunehmendem Alter immer kleiner. Die grösste Gefahr beim Bergsport im Alter ist nicht das Alter selbst, sondern die Kombination aus reduzierter körperlicher Reserve, Selbstüberschätzung und alpinen Belastungen sowie schlechter Vorbereitung organisatorisch wie auch physisch. Diesem Umstand bewusst zu sein ist für das Unterwegssein in den Bergen von grosser Wichtigkeit. So bleibt man auch in unerwarteten und herausfordernden Situationen handlungsfähig.

Dr. med. Dieter Breil, Chefarzt Akute Altersmedizin Felix Blatter in Basel, ging in seinem lebendigen und humorvollen Vortrag auf das Thema „Ernährung im Alter – Was ist anders“ ein. Im Alter ist die Zufuhr von Protein deutlich wichtiger. Gesunde Senioren brauchen 1.2g Protein pro kg Körpergewicht. Fisch, Fleisch, Käse und Eier gelten als gute Proteinlieferanten. Auch Nüsse, Haferflocken, Hirse, Linsen und Bohnen liefern das im Alter immer wichtigere Protein, so dass auch Vegetarier hier aus dem Vollen schöpfen können. Das Carbo-Loading vor eine Bergtour, also Spaghetti, Risotto, Kartoffeln, Polenta mit Parmesan (ist ein hervorragender Proteinlieferant) ist noch immer sinnvoll. Wichtig hier: Nicht zu fettreich, um einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen. Als Frühstück eignet sich vor allem ein Birchermüesli, welches im Gegensatz zum einem Konfibrot den Glykogenspeicher besser füllt und auf Tour weniger schnell zu einem Leistungsknick durch schnelle Unterzuckerung führt. Unterwegs sind Traubenzucker, Gel, Energieriegel, Studentenfutter, Datteln, Banane, Schoggi rasche und gut verdauliche Energiezulieferer. Auch regelmässige Flüssigkeitszufuhr ist enorm wichtig. Hier eine spannende Empfehlung für den Salzverlust durch Schwitzen: Eine Prise Salz in den Tee nützt und verändert den Geschmack des Tees kaum. Und einmal mehr: Vitamin D als Supplementierung vor allem im Winter reduziert unter anderem Osteoporose und stärkt das Immunsystem.

Dr. med. Daniel Walter, Facharzt Allgemeine Innere Medizin und Sportmedizin ging dann am Nachmittag auf die psychologischen Aspekte im Bergsport ein. Schwerpunkt war dabei die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung und das Erkennen sowie Anerkennen seiner eigenen Grenzen. Mittels sehr eindrücklicher Fallbeispiele aus seiner Rettungstätigkeit als REGA-Arzt zeigte er uns, wie falsche Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten, zum Zustand der Gruppe, zu den äusseren Bedingungen zu Unfällen führten, die leider nicht immer gut ausgingen. Notfälle entstehen schrittweise (Notfallspirale), haben oft ihre Ursache nicht erst im Unfall selbst, sondern meist viel früher. Fazit seines Referats: Sicherheit beginnt im Kopf. Ehrliche Selbsteinschätzung ist entscheidend. Grenzen erkennen schützt. Grenzen akzeptieren ist Stärke, nicht Schwäche. Erfahrung ist ein grosser Vorteil, sofern sinnvoll eingesetzt. Umdrehen ist eine kluge Entscheidung. Speak Up, also unsichere Gefühle rechtzeitig ansprechen. Wer seine Grenzen kennt und respektiert, kann die Berge länger und sicherer geniessen.

Die Teilnehmenden des Symposiums wurden kulinarisch durch unser Genussteam unter der Leitung von Ruth Signer verwöhnt. Was sie auf den Tisch zauberten, war eine Wucht und trug wesentlich zum grossen Erfolg des Anlasses bei. Vegetarisches Dal mit Basmatireis und einer Zitronensauce, Orangenbavaroise zum Mittagessen, selbstgemachtes Zupfbrot, Brownies und Amarettis mit Kaffee oder Tee kamen beim Publikum extrem gut an. Dazu gebührt ihnen ein grosser Dank und ihr Engagement wurde vom Publikum mit einem langanhaltenden Beifall belohnt.

Schliesslich bedankten sich Ruth Kulscar und Thomas Winkler bei Referenten, Sponsoren, Teilnehmenden und bei allen, die zum Gelingen dieses Anlasses beitrugen. Die Erwartungen an den Anlass wurden voll erfüllt, ja teilweise sogar übertroffen, was ein paar Rückmeldungen aus den vielen Feedbackformularen belegen:

  • Vielen Dank an die hervorragende Organisation
  • Fantastische Verpflegung, grosses Kompliment
  • Sehr informative, packende und humorvolle Referate

Hier findest du die Handouts der Referate von Dr. Paul Imboden, Dr. Dieter Breil, Dr. Daniel Walter.